Du kannst einen ganzen Tag dasselbe Gespräch führen, ohne dass der andere überhaupt dabei ist. Dir ausdenken, was du sagen wirst, was er vermutlich antwortet und sogar, was du letzten Dienstag um 16:40 hättest sagen sollen, als die beste Antwort natürlich drei Stunden zu spät kam. Du kannst dir alles wunderbar erklärt haben und spürst beim Gedanken an das morgige Gespräch dennoch dasselbe Ziehen im Bauch. Der Verstand hat die Geschichte längst begriffen. Der Körper hat die Nachricht offenbar noch nicht bekommen.
Genau mit diesem Unterschied arbeitet dieser Raum. Du wählst eine konkrete Situation und sagst sie in deinen Worten: „Ich habe Sorge vor dem Gespräch morgen“, „Ich werde jedes Mal wütend, wenn ich daran denke, was sie gesagt hat“, „Wenn das Telefon klingelt und ich diesen Namen sehe, spanne ich mich sofort an“, „Ich weiss, ich muss entscheiden, aber sobald ich daran denke, zieht sich mein Magen zusammen“. Du musst nicht weise klingen, nicht spirituell und nicht wie jemand, der gerade ein Buch über sich geschrieben hat. Der Satz muss nur für dich wahr sein.
Dann beginnt EFT — die Techniken der emotionalen Freiheit. Während du deinen Satz wiederholst, klopfst du nacheinander auf neun Punkte an Gesicht und Körper, dieselben, die auch in der Akupressur verwendet werden. So bleibt die Aufmerksamkeit bei der konkreten Reaktion, der du folgen willst, statt sie wieder in ein halbstündiges Gespräch mit dir selbst zu verwandeln.
Vor der ersten Runde bewertest du sie von 0 bis 10. Nicht „wie gross ist mein Problem“, denn das Leben passt selten so bequem in eine Zahl, sondern wie stark deine Reaktion darauf gerade jetzt ist. Wenn schon der Gedanke an das Gespräch Anspannung bringt und du sie eine 8 nennen würdest, beginnst du bei 8. Du machst die Runde und prüfst erneut. Es kann 5 sein, es kann 3 sein, es kann wieder 8 sein. Genau deshalb ist die Zahl interessant: Du rätst nicht, ob sich etwas verschoben hat, du vergleichst, wie du vor ein paar Minuten warst und wie du jetzt bist.
Wenn die Zahl sich nicht bewegt, ist auch das eine Auskunft. Vielleicht ist der erste Satz einfach nicht das eigentliche Thema. Du hast mit „Ich habe Sorge vor dem Gespräch“ begonnen und merkst kurz darauf, dass du in Wahrheit wütend bist über die Art, wie man dich behandelt hat. Oder du meinst, die Angst gelte dem Anruf, während der wahre Gedanke lautet: „Und wenn ich eine Antwort höre, die ich nicht hören will?“ Dann beginnt die nächste Runde an einer anderen Stelle.
Und genau deshalb bekommst du hier keinen fertigen Text, der für alle geschrieben wurde. Im Internet gibt es genug Sätze, die schön klingen und nichts mit dem zu tun haben, was du heute Morgen gespürt hast. Die Sätze entstehen aus deinen Worten, aus der konkreten Situation und aus deiner Reaktion darauf. Denn zwischen „Ich habe Angst vor der Zukunft“ und „Ich habe Angst, diese E-Mail zu öffnen“ liegt ein gewaltiger Unterschied. Und der Körper weiss meist sehr genau, welcher der beiden der echte ist.
Bezahlt wird die neue Situation — 3,33 €. Alle weiteren Runden dazu sind frei, so oft du sie brauchst, denn ihre Sätze bestehen bereits. Der Seher erhält jeden Monat eine neue Situation, der Eingeweihte zwei.
Klopfen hilft, ruhiger zu werden und klarer zu sehen, was dich wirklich beunruhigt. Es ist keine Behandlung und ersetzt keinen Arzt. Ist die Situation schwer — Verlust, Gewalt, etwas, das dich jedes Mal umwirft, wenn du daran denkst — sprich darüber mit einem lebendigen Menschen: mit jemandem, bei dem du dich sicher fühlst, oder mit einer Fachperson. Ein Bildschirm taugt für den Alltag; für das Schwere ist er ein schwacher Helfer.